Wer sich für eine Photovoltaikanlage entscheidet, steht ganz am Anfang vor der entscheidenden Frage: „Wie viele Module brauche ich eigentlich?“ Reicht eine kleine Anlage, um den Kühlschrank zu betreiben, oder sollte man das ganze Dach vollpacken? Früher galt oft die Regel, die Anlage strikt am eigenen Verbrauch auszurichten. Heute raten Experten oft zu einer anderen Strategie.
Hier sind die drei entscheidenden Faktoren, die bei der Planung der richtigen Anlagengröße berücksichtigt werden müssen.
1. Der eigene Stromverbrauch: Die Basis
Der erste Blick sollte immer auf die letzte Jahresstromabrechnung gehen. Der dortige Wert (in Kilowattstunden, kWh) ist der Ausgangspunkt.
- Die alte Faustformel: Früher sagte man oft: 1 kWp Anlagenleistung pro 1.000 kWh Verbrauch. Wer also 4.000 kWh verbraucht, sollte eine 4 kWp-Anlage bauen.
- Der moderne Ansatz: Heute wird der Strombedarf eher als Untergrenze gesehen. Da wir in Zukunft durch Wärmepumpen (Heizung) und Elektroautos deutlich mehr Strom benötigen werden, ist es fast immer ratsam, die Anlage größer zu dimensionieren als der aktuelle Bedarf es diktiert. Eine zu knapp geplante Anlage ärgert einen spätestens dann, wenn das erste E-Auto vor der Tür steht.
2. Die Dachfläche: Das natürliche Limit
Der begrenzende Faktor ist meist nicht der Geldbeutel, sondern der Platz auf dem Dach.
- Platzbedarf: Ein modernes Solarmodul hat eine Leistung von ca. 400 bis 450 Watt und benötigt etwa 2 Quadratmeter Fläche. Für 1 Kilowatt-Peak (kWp) Leistung werden also rund 5 Quadratmeter Dachfläche benötigt.
- Störfaktoren: Kamine, Dachfenster, Lüftungsrohre oder Gauben reduzieren die nutzbare Fläche. Auch Schatten durch Nachbarhäuser oder große Bäume muss abgezogen werden.
- Die Experten-Regel: „Mach das Dach voll.“ Warum? Die Fixkosten für Gerüstbau, Elektriker und Anmeldung fallen ohnehin an. Ob man dann 10 oder 15 Module installiert, macht im Gesamtpreis pro Kilowatt oft nur einen geringen Unterschied, steigert aber den Ertrag im Winter (wenn die Sonne schwach ist) erheblich.
3. Ausrichtung und Neigung: Wann wird produziert?
Nicht jedes Dach zeigt exakt nach Süden. Das ist heute aber auch gar nicht mehr nötig, es beeinflusst aber die Planung der Größe.
- Südausrichtung: Hier wird der maximale Ertrag zur Mittagszeit erzielt. Ideal für hohe Spitzenleistungen.
- Ost-West-Ausrichtung: Diese Dächer produzieren morgens und abends Strom – genau dann, wenn berufstätige Menschen zu Hause sind. Hier ist der Gesamtertrag (in kWh) zwar etwas geringer als bei Süddächern, dafür ist der Strom oft direkt nutzbar. Um den geringeren Ertrag auszugleichen, belegt man hier oft beide Dachseiten, was die Anlage insgesamt größer macht.
- Neigung: Ein Winkel von 30 bis 35 Grad ist ideal. Doch auch flachere oder steilere Dächer funktionieren gut, verlieren nur wenige Prozent an Leistung.
Fazit: Großzügig planen lohnt sich
Die Zeiten, in denen man Anlagen „kleinrechnete“, sind vorbei. Da die Einspeisevergütung gesunken ist und der Einkaufspreis für Strom steigt, ist der Eigenverbrauch das wichtigste Ziel. Eine größere Anlage liefert auch bei Bewölkung und im Winter noch genug Energie, um den Speicher zu laden oder die Grundlast des Hauses zu decken. Die Empfehlung lautet daher meist: Nutzen Sie die verfügbare Dachfläche so gut wie möglich aus. Strom, den Sie heute „zu viel“ haben, wird morgen durch E-Mobilität und Wärmepumpe dringend gebraucht werden.